Schwitzende fremde Leute. Ich übertrete die Schwelle: Ich die spüre die Blicke. Sie verunsichern mich. Ist was an mir, oder bin ich nur neu? Wo setze ich mich hin? Wie bewege ich mich? Unter den eigenen und fremden Ausdünstungen im Wasserdampf zergehen. Halbnackt neben Fremden zu sitzen, führt entweder zu betretenem Schweigen oder zur ungelenken Suche nach Annäherungen. Die Saunagäste müssen sich ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe nicht bewusst sein, um dennoch für einen Neuankömmling eine Zusammengehörigkeit zu erzeugen. Nicht nur der dichte Wasserdampf ist dafür verantwortlich, dass ich mich oft an meinem Nachbarn in der Gruppe orientiere. Schwärme in der Natur zeigen Verhalten in Form von einfachen Grundregeln, die komplexe Gruppenmuster, Schwarmsysteme entstehen lassen: Wo reihe ich mich ein und was macht mein Nachbar?

 

Die Künstlergruppe "fishing for compliments" hat einen Prototyp namens "Nemore" (lat. für "den Wald betreten") entwickelt, der Besucherannäherungen von außen bis hin zu Bewegungen im Schwarm, in kollektive Bewegungen übersetzt. Der Besucher ist Auslöser eines Schwarmphänomens, die sich zu einer Schwarmsimulation im Ganzen entwickelt. Der Besucher ist Teil des Schwarms, bis er ihn wieder verlässt.

Nemore ist ein Garten aus biegbaren Graphitstangen, die im Raum in verschiedenen Anordnungen platziert werden. Von zwei Servomotoren betrieben, kann der so entstehende Kohlefasergarten über Ultraschallsensoren in Interaktion mit dem “Akteuer”, dem Besucher der Installation treten. Jede Graphitstange besitzt neben den Fähigkeiten des Drehens, des Biegens, sich Hin- und Wegbewegens einen eigenen Klang, der mit der Interaktion erzeugt wird und die Bewegungen im Akustischen aufgreift. Dabei wird die theoretische Diskurs Schwarmintelligenz auf ein System mit beweglichen Stangen übertragen: Jede Stange reagiert nach programmierten Verhaltensregeln nur auf die umliegenden Nachbarn, das gesamte System aller Stangen ist nicht miteinander verbunden und tritt nicht in Interaktion untereinander. Wird der Rezipient in der kühlen Materialität der Installation die Quasi- Emotion und -Intelligenz eines Schwarms wahrnehmen? Lässt er sich vielleicht sogar verleiten das System zu erkunden, die Regeln zu spüren und ein aktiver Teil davon zu werden?

subnet unterstützt das Projekt über sein Artist in Residence Programm. Die Künstlergruppe "fishing for compliments" besteht aus den vier Medienkünstlern Woeishi Lean, Jan Bernstein, Sebastian Neitsch und Max Kickinger. Der Prototyp wird in den nächsten Monaten weiterentwickelt und in einer Endausstellung präsentiert. Zusätztlich werden regelmäßige Werkschauen stattfinden. 

Weitere Bilder unter: http://www.flickr.com/photos/54507211@N08